BOZEN – Universität und Journalisten bündeln Kräfte für einen verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz
Künstliche Intelligenz besser verstehen, sie bewusst einsetzen und zugleich ihre ethischen und berufsethischen Grenzen respektieren: Das ist das Ziel einer neuen gemeinsamen Initiative, die in Bozen gestartet ist. Die Freie Universität Bozen und der Südtiroler Journalistenverband (SJV) wollen damit den Austausch über die gesellschaftlichen, kulturellen und beruflichen Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz (KI) auf eine dauerhafte und strukturelle Grundlage stellen.
Ein Jahr nach der Vorstellung der „Bozner Charta zu KI und Information“ wurde der Dialog in der Aula Magna der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der Freien Universität Bozen fortgesetzt und vertieft. Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass technologische Innovation nicht allein nach ihrer Leistungsfähigkeit beurteilt werden kann. Entscheidend ist vielmehr, wie Technologie eingesetzt wird, wer von ihr profitiert und ob sie tatsächlich dem Menschen dient.
Auch Papst Leo XIV. hat in seiner jüngsten Enzyklika „Magnifica Humanitas“ auf die ethischen Herausforderungen der technologischen Entwicklung und die zentrale Bedeutung der Menschenwürde hingewiesen.
Vor diesem Hintergrund haben die Freie Universität Bozen und der Südtiroler Journalistenverband eine auf fünf Jahre angelegte Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. An der Veranstaltung nahm auch die Generalsekretärin der Federazione Nazionale della Stampa Italiana (FNSI), Alessandra Costante, teil. Sie kündigte an, dass der XXX. Kongress der italienischen Journalistenvereinigung im Februar 2027 dem Thema Künstliche Intelligenz gewidmet sein wird.
Anwesend waren zudem Präsident Federico Giudiceandrea, der Rektor der Freien Universität Bozen, Prof. Alex Weissensteiner, sowie der Generaldirektor der Universität, Günther Mathà.
Rektor Weissensteiner zog einen Vergleich zur geopolitischen Konfrontation zwischen Ost und West in den 1970er-Jahren. Heute, so seine Einschätzung, liege die weltweite Konkurrenz im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu einem erheblichen Teil in den Händen weniger privater Unternehmen.
Die Vereinbarung soll nicht bei einer Absichtserklärung bleiben, sondern unmittelbar in konkrete Initiativen münden. Die erste Veranstaltung findet am morgigen Freitag, 9. Oktober, um 9 Uhr in der Aula Magna der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der Freien Universität Bozen statt.
Im Mittelpunkt steht das Thema „Technologie, Daten und Inklusion im digitalen Zeitalter: Wenn Technologie ausschließt, ist sie kein Fortschritt“.
Fachleute aus dem Bereich der Digitalisierung sowie Vertreter der Wirtschaft diskutieren darüber, wie technologische Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verbunden werden können und wo die Grenzen einer Technologie liegen, die nicht allen Menschen die gleichen Chancen eröffnet.
Eröffnet wird die Veranstaltung von FNSI-Generalsekretärin Alessandra Costante. An der anschließenden Podiumsdiskussion nehmen Günther Mathà, Generaldirektor der Freien Universität Bozen, Nicola Calabrò, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, sowie Yvonne Profanter, Leiterin Marketing und Kommunikation bei Loacker, teil.
Das Seminar ist als Fortbildungsveranstaltung für Journalistinnen und Journalisten anerkannt und wird mit fünf Weiterbildungspunkten angerechnet.
Mit der neuen Zusammenarbeit wollen Universität und Journalisten einen dauerhaften Dialog zwischen Wissenschaft, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft etablieren. Entstehen soll dabei ein in Italien bislang einzigartiges Pilotmodell. Denn Künstliche Intelligenz ist längst nicht mehr ausschließlich eine technologische Frage: Sie verändert bereits heute die Art und Weise, wie wir arbeiten, kommunizieren und Informationen bewerten.
Von Bozen aus soll deshalb ein Weg beschritten werden, der nicht nur danach fragt, was Künstliche Intelligenz leisten kann, sondern vor allem, was sie leisten soll – und welchen ethischen Regeln ihr Einsatz folgen muss.